Yoga und neue Türen

Liebe Freunde, Silviana und ich sind für einige Zeit im Yoga Vidya in Bad Meinberg. Jedida bis einschließlich Ostersonntag und Silviana bis einschließlich 18.05.2014. Von dort berichten wir euch von unseren Erfahrungen. Jedida besucht das Seminar „Trauma aus früheren Leben heilen“ und Silviana absolviert die Ausbildung zur Yogalehrerin. Hier unsere Eindrücke von unserem Wochenende in Maria Rain, wo wir unter anderem ein kleines, aber feines Yoga Vidya besucht haben.

Eine Tür öffnet sich

Der hinter uns liegende Winter war weder lang, noch hart, noch wirklich winterlich kalt – im Gegenteil, ich kann mich an keinen so milden Winter erinnern, seit dem ich denken kann. Und dennoch war es ein sehr harter Winter. Sehr dunkel und voller schwerer Themen, die angeschaut werden mussten, die kein Augen-zu-und-durch mehr zugelassen haben.Keine Zukunftsvision war zu erkennen, alles schien schwer und mühlselig zu sein. Ein schwarzes Loch gähnte vor mir und nicht nur in meinem 3/5er Zahn.

God opens doors no man can close. Warum öffnete sich für mich keine Tür? So konnte ich nur beten und mich in Geduld üben.

Ich war nun schon seit Wochen im Krankenhaus, ging fleißig zu meinen Therapien – u.a. Yoga. Dies hatte ich so richtig erst hier kennengelernt. Aber mehr und mehr hatte ich das Gefühl, dass ich mein Leben von hier drinnen, der Klinik, auch nicht so richtig in den Griff bekommen konnte. Die Kraft jedoch, wieder zu 100 % im Hamsterrad zu rennen, hatte ich aber auch nicht. Die Lust fehlte gänzlich. Mir ging es richtig schlecht. Ich hatte Schwindel, Kopfweh, Niedergeschlagenheit, Augenschmerzen. Teilweise ich konnte mich nicht mehr auf den Beinen halten. Eines besonders schweren Tages sprach mich meine Yogalehrerin ganz liebevoll und einfühlsam an und ich erzählte ihr, warum ich hier drinnen, im Krankenhaus, sei. Sie erzählte mir von ihrer Ausbildung bei Yoga-Vidya und von den Möglichkeiten eines Lebens im Ashram, hier in Deutschland. Du kannst dort leben, relaxen, lernen, zur Ruhe kommen, dich und eine neue Aufgabe finden. Ja, ich brauchte eine neue Perspektive und dazu gehörte es nicht, wieder in die Halbleiterindustrie einzusteigen, um meinen Lebensunterhalt mit dem Verkauf von Technokratie-werkzeugen zu verdienen (und damit kräftig an Umweltverschmutzung, Konsumwahn etc. teilzunehmen).

Nach dem erbaulichen Gespräch mit meiner Yoga-Lehrerin spürte ich auf einmal wieder so etwas wie Freude, Interesse, Neugier, Hoffnung. Bei einem Wochendausgang packte ich meine Schwester mit Kind ins Auto und wir fuhren ins Allgäu nach Maria Rain und besichtigten die Örtlichkeiten von Yoga Vidya. Ich musste die Luft fühlen und atmen, die solch eine Einrichtung verbreitet, bevor ich mich entschließen könnte, dort Zeit zu verbringen. Die Yoga-Stunde war sehr entspannt und machte Lust auf mehr. Das Highlight für mich war vor allem das vegane Essen, mit viel Rohkost eine echte Labsal nach 3monatiger, Nudellastiger Krankenhauskost mit vielen Mehlsoßen…

So war es bereits am Wochenende meines ersten Besuchs im Yoga-Vidya im Allgäu, beschlossene Sache, ich würde das Krankenhaus verlassen und für 5 Wochen in die größere Schwester-Niederlassung nach Bad Meinberg gehen, um mich zur Yoga-Lehrerin ausbilden zu lassen.

Ein Wochenende in Maria Rain bei Yoga Vidya – eine denkwürdige Begegnung

Uns mehr oder weniger unfreiwilligen Stadtbewohnern boten diese zwei Tage im Allgäu ein wahrhaft herrliches Ambiente. Die Berge lagen noch immer schneebedeckt und schön vor uns, letzte Schneereste schmolzen in der Sonne. Es war schon fast sommerlich warm – ein zauberhafter Frühlingstag in den Bergen, der zum spazieren gehen in der Sonne einlud.

Bei unserem Frühstück in einer nahegelegenen Pension lernten wir einen netten Herrn, nennen wir ihn Johannes, kennen. Wir redeten über Yoga Vidya, Gott und die Welt. Da wir also einiges zu besprechen hatten, beschlossen wir den Tag gemeinsam zu verbringen. Der kleine Sohn meiner Schwester freute sich über unerwartete männliche Verstärkung  Meistens ist der kleine Kerl nämlich nur mit Mama und/oder Tante unterwegs und da wird jeder Mann interessiert in Augenschein genommen und als willkommene Abwechslung hoch geschätzt. Wir wollten einen spirituellen Pfad entlang wandern, welcher den interessanten Namen Ge(h)zeiten trägt. Aufgrund weiblicher Unpässlichkeiten wurde aber nichts aus dem Spaziergang und so liefen wir nur einen Hügel hinauf und lagerten auf der Wiese im Sonnenschein, mit wundervollem Blick auf Berge und See.

Meine Schwester lag also ganz entspannt auf der Decke und genoß die Streicheleinheiten der Sonne. Ihr Sohn spielte neben ihr und mit Johannes. Plötzlich, sozusagen aus heiterem, frisch chemgetrailten Himmel, regneten Tannenzapfen und Schuhe auf meine Schwester Jedida herab. Sichtlich genervt, ob der leichten Schmerzen und vor allem der gestörten Ruhe, blickte sie in die Runde, um den Übeltäter zu stoppen. Tja, es war nicht das kleine Mausi, sondern unser Begleiter Johannes warf sichtlich vergnügt mit allem, was greifbar war. Unser Mausi fand das spannend und imitierte sogleich diese wohl eigenartige Aufmerksamkeits- bzw. Liebesbekundung. Mir blieb die Spucke weg. Ich war irritiert. Weder meine Schwester noch ich haben uns Johannes gegenüber dazu geäußert, aber die Angelegenheit wirkte in meinem Inneren noch lange nach. Tja, wie wir alle wissen, sind auch spirituell aufgeschlossene Menschen nicht davor gefeit, kleine Dummheiten zu begehen.

Ich war fassungslos. Wir versuchen seit Jahren den Kindern beizubringen, dass man keine Gegenstände auf Menschen wirft, dass man andere nicht haut, mit oder ohne Gegenstände… Leider beobachten wir immer wieder, dass Männer es besonders witzig finden, den Kindern das Gegenteil vorzuleben. Da wird gelacht, mit Zeug um sich geschmissen und alles ist lustig. Stunden später, wenn dann die Spaßzeit vorüber ist, passt es den gleichen Männern dann auf einmal nicht mehr, wenn die von Kinderhand geworfenen Gegenstände plötzlich in ihren Gesichtern landen.

Woher also kommt dieses widersprüchliche Verhalten? Wird dies seit Jahren von Mann zu Mann weitergegeben? Das eine sagen und das andere vorleben?

Wozu führt dieses seltsame und befremdliche Verhalten beim Älterwerden der kleinen Jungs? Werden Jungs größer, dann stänkern sie nur zu gerne mit Mädchen. Ziemlich oft ist dies gar nicht böse gemeint, sondern dient vielmehr dazu, um Aufmerksamkeit zu buhlen oder dem Mädchen Beachtung zu schenken. Aber mal Hand aufs Herz, welche Frau lässt sich gerne anpöbeln? Ich frage mich ob der Spruch: „Liebe tut weh“ vielleicht auch durch solche Verhaltensmuster weiter am Leben gehalten wird. Wie oft verletzen wir andere, obwohl wir sie lieben und sie eher in den Arm nehmen möchten? Weil Gefühle zeigen, Schwäche zeigen bedeutet oder nicht männlich genug ist? Ich bin Johannes sehr dankbar für diese kleine Lektion in Sachen Aufmerksamkeit und Wachsamkeit. Viele alte Verletzungen konnten nach oben kommen und es ist an der Zeit, Heilung geschehen zu lassen. Ich wünsche mir und allen Menschen mehr Achtsamtkeit im Umgang miteinander, mit Blick auch auf die kleinen Details. So wurde uns auch ohne den geplanten Spaziergang mal wieder eine spirituelle Erkenntnis zuteil.

Am Abend gönnte ich mir eine Yoga-Stunde. Ich fand das Ambiente wundervoll, die Begleitung sehr achtsam und auch die Abschluss-Meditation brachte mich sehr in meine Mitte. JA, das war der richtige Verein für mein Ansinnen. Das Essen nahmen wir gemeinsam ein, Jedida, ihr Söhnchen und ich. Die vegane Küche überzeugte mich. Mein Entschluss stand fest nach diesem Wochenende, ich würde eine Yoga-Lehrerausbildung bei Yoga Vidya beginnen.

Nachwort: Über Mütter

Kurz nach diesem Erlebnis mit Johannes hatte ich die Freude mit einem türkischen Mitpatienten, ich nenne ihn hier mal Farid, bei einem ausgedehnten Spaziergang über Mütter zu sprechen. Mir war aufgefallen, dass er stets voller Liebe und Achtung von seiner Mutter sprach. Ich erinnerte mich an eine Zeit, in welcher ich in Spanien lebte, wo mir schon aufgefallen war, dass Mütter in diesen warmen Ländern so eine Art Heiligenstatus haben. Die südländischen Mütter sind hingebungsvoll, liebevoll, streng und stehen ihrer Familie im Inneren kompetent vor. Wenn Kinder respektlos sind, werden sie von ihren Vätern ermahnt, doch auf Mutti zu hören. Ich fragte also Farid, wieso er so ein gutes Verhältnis zu seiner Mutter habe. Er sagte mir, im Koran stehe, ein Weg ins Paradies zu gelangen sei es, seine Mutter zu ehren und zu lieben. Anscheinend wird dies sehr ernst genommen.

In der Bibel heißt ja auch in den 10 Geboten: Ehre Vater und Mutter. In Deutschland wird dies aber augenscheinlich nicht so ernst genommen, selbst hier im super katholischen Bayern nicht. Überhaupt ist der Status von Müttern, besonders in Deutschland eher sehr ungünstig. Sie managen ihre Karriere, den Haushalt, Garten, Kinder, Ehemänner und was weiß ich nicht noch alles, aber Wertschätzung und Ehrerbietung lässt man ihnen in keiner Weise auch nur annähernd so angedeihen wie in anderen Ländern.

Was auch immer die politischen und geschichtlichen Hintergründe davon sein mögen, es ist an der Zeit, jede Mutter zu ehren und zu lieben. Wir Frauen sind wundervolle, wertvolle Geschöpfe und es ist definitiv an der Zeit, die eigene Mütterlichkeit zu ehren, zu lieben und zu achten. Wir Mütter selbst müssen mit gutem Vorbild voran gehen. Wie können wir das umsetzen? Nicht jenes, was wir den Kindern sagen ist so wichtig, sondern jeder Moment, in dem wir nicht sprechen, sondern handeln, fühlen und lieben. Wir können fünfmal sagen: Geht bitte ins Bett und uns doch ärgern, dass die Kleinen noch immer toben. Wir können sie auch einfach liebevoll an der Hand nehmen und zu Bett bringen. Wir sind Mütter, dies ist eine unserer Lebensaufgaben und auch damit dienen wir Gott jeden Tag auf wundervolle Art und Weise.

Und was ist nun mit den Männern? Darüber schreib ich ein andermal. Ganz bestimmt.

Alles Liebe,

Eure Silviana

 

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