Verbindlichkeiten in der freien Liebe

freie-Liebe-TN text

„Er gehört zu mir, wie mein Name an der Tür…“ trällerte schon fröhlich Marianne Rosenberg vor vielen Jahren. Ja, das war sie, die Qualität der Beziehungen und Bindungen, die Menschen eingegangen sind. Vom offensichtlichen Besitzdenken: „Sie ist mein“ oder „Sie gehört mir“ haben wir es immerhin schon zu der verbal abgeschwächten Form: „Sie gehört zu mir.“ geschafft.

Die althergebrachten Ansichten, dass eine Frau dem Manne nach der Eheschliessung gehöre und er über all ihre Angelegenheiten bestimmen könne, sind zumindest in unserem Kulturkreis weitgehend aufgelöst. Geblieben ist die Sehnsucht, sich dazugehörig zu fühlen. Nun, auch heute gibt es noch Besitzansprüche in Beziehungen, die zu Eifersucht und Verboten führen wie in etwa: „Ich will nicht, dass du dich mit der und der Person triffst oder mit ihr redest.“ Von körperlichen Begegnungen jedweder Couleur mal ganz zu schweigen.

Wie also kann heute die Liebe in Freiheit gelebt werden? Ohne Einschränkungen und dennoch rücksichtsvoll. Ohne althergebrachte Verbindlichkeiten und dennoch verantwortungsbewusst?

Neue Denkansätze

Mehr und mehr setzt sich die Erkenntnis durch, dass ich einen Menschen nicht besitzen kann. Wir möchten einander nicht mehr einschränken und jedem seine Entwicklungs-Erfahrungen von ganzem Herzen gönnen. Nach und nach komme dahinter, dass ein gewisses Maß an Freiheit der Liebe eher zuträglich ist. Es ist unglaublich bereichernd und erleichternd, meine gesamten Projektionen auf einen einzigen Liebes- und Lebenspartner zurückzunehmen. Mir der eigenen Bedürfnisse bewusst zu werden und zunehmend besser für mich zu sorgen. Im Spass hörte ich mich oder andere oft sagen: „Eine Frau braucht 5 Männer: einen zum Philosophieren, einen fürs Handwerkliche, einen fürs gemeinsam Kinder haben, einen guten Tänzer und einen fürs Bett.“

Ja, es ist wirklich eine Bereicherung mich als soziales Wesen wahrzunehmen, das immer wieder in den verschiedenen Begegnungen dazulernt und in der eigenen Entwicklung voranschreitet. Mich im aussen immer wieder mit verschieden Menschen zu spiegeln und zu reiben, erweitert meinen Horizont ungemein.

Dieser ebenso gesellschaftlich bedingte Befreiungsschlag geht einher mit der viel propagierten freien Liebe, polyamoren Lebensweisen, aber auch mit Unverbindlichkeiten oder Verantwortungslosigkeiten. Ist dies nun ein Ausdruck unseres Zeitgeistes, dass wir Menschen uns gar nicht mehr binden wollen, ganz und gar frei sein wollen in unserem eigenen ErLEBEN? Sind wir vielleicht gar nicht mehr fähig, uns tief und auch verantwortungsvoll zu binden? Jetzt mag ein Aufschrei durch die spirituellen Kreise gehen. Wir sind doch alle durch die universelle göttliche Liebe verbunden. Die Sexualität wird mit Spiritualität verbunden, wir erleben die uns höchstmöglichen Stufen des kosmischen Seins, wenn wir uns mit einem Menschen auf allen Ebenen verbinden: körperlich, emotional und seelisch. Nach solch einer Verbindung fühlen wir uns erhoben, göttlich, eins mit allem. Ja, ich hatte auch das grosse Glück diese wundervolle Erfahrung zu erleben, mich wie auf Engelsschwingen ins Paradies tragen zu lassen. So weit, so gut.

Freiheit contra Verbindung?

Doch wie lebe ich nun diese Verbindung im Alltag? Viele wohnen heute alleine, als Single, auch wenn sie sich in einer Partnerschaft wähnen. Das gilt auch für mich seitdem ich mich räumlich von meinem Ehemann getrennt habe. Auch ich genieße es, einen Raum für mich zu haben, einen Rückzugsort, um mich zu finden und zu sammeln. Ein Leben ohne Verbindlichkeiten also? Welche Art der Verbindlichkeiten leben wir heute, jenseits der Besitzansprüche? Gibt es das noch, ein sich für den anderen verantwortlich fühlen? Was bedeutet es heute noch? In den letzten Jahren bin ich schon mehr und mehr herausgetreten aus alten Verhaltensmustern wie z.B.: Ich nehme dir deine Verantwortung ab – was de facto gar nicht möglich ist – oder ich löse deine Probleme für dich, um mich unentbehrlich zu machen. Oder aus anderen unbewussten Verstrickungen. Aber wie lebe ich diese Verbindung zu einem Mann heute, ganz praktisch im Alltag? Jenseits der göttlichen Verbindung. Wie lebe ich es ganz menschlich?

Ich weiss es nicht. 

Bisher durfte ich immer wieder die Erfahrung machen: Die richtigen Fragen zu stellen, öffnet mich für die Antworten, die kommen werden.

Was ist meine Frage? Die Verantwortung für mein Wohlbefinden übernehmend frage ich mich: Welche Art von Verbindlichkeiten wünsche ich mir in der freien Liebe?

Beschäftigen oder bewegen dich ähnliche Gedanken und Erfahrungen? Ich freue mich auf dein Feedback.

…  to be continued. 😉

Alles Liebe,

Deine Silviana Tabita

 

Du magst vielleicht auch

2 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *