Selbstversuch – Der Beinwell

Liebe Freunde,

im Rahmen meines Selbstversuches möchte ich euch heute eine Pflanze vorstellen, der nachgesagt wird, dass sie aufgrund ihrer Fähigkeit, neues Knochengewebe zu bilden und entzündungshemmend zu wirken, auf natürliche Weise Knochenbrüche heilen kann. Und warum soll das nicht auch für Zähne gelten? Das Zahndentin ist immerhin knochenähnlich und bildet den größten Teil des Zahnes.

Es handelt sich dabei um den Gemeinen Beinwell. Volkstümlich nennt man ihn u. a. auch Wallwurz (von zusammen „wallen“ bzw. wachsen), Himmelsbrot, Soldatenkraut, Soldatenwurzel, Milchwurz oder Wundallheil. Im  englischsprachigen Raum ist Beinwell als Comfrey bekannt. Wie die vielen Namen es bereits ahnen lassen, ist der Beinwell für so manches gut.

Inhaltsstoffe der Beinwellwurzel

„Cholin, Gerbstoffe, Flavonoide, Schleim, Stärke, Pflanzensäuren und das Vitamin B12 (Beinwell ist die einzige Pflanze die Vitamin B12 enthält. Dieses Vitamin kommt sonst nur in tierischen Nahrungsmitteln vor). Die Droge enthält außerdem Allantoin und Schleim-Polysaccharide“ sowie  „(…)Pyrrolizidinalkaloide(n) „.  (Vgl.: http://www.kaesekessel.de/kraeuter/b/beinwell.htm)

Vielseitige Verwendung des Beinwells

Zum Beispiel kann man seine Blätter frittiert essen oder in Pfannkuchenteig ausbacken („Schweizer Beinwellküchle“). Auch als Salat oder Spinatersatz eignet sich der Beinwell aufgrund seiner vielen wertvollen Inhaltstoffe sehr gut. Bitte den Beinwell dazu sehr stark zerkleinern, da er sehr raue Blätter hat.

Wer einen Garten hat, sollte sich ebenfalls ein paar Beinwellpflanzen zulegen, da die Blätter des Beinwell zum einen eine erstklassige Mulchdecke abgeben und zum anderen zu  Beinwelljauche vergoren einen hervorragenden natürlichen Dünger für z. B. Tomatenpflanzen abgeben.

Beinwellblätter eignen sich auch hervorragen für Sitzbäder oder in getrockneter Form zum Räuchern von Krankenzimmern.

Nun aber zum wichtigsten Teil dieser wertvollen Heilpflanze: der Wurzel. Ihr könnt die Wurzel im zeitigen Frühjahr oder im Herbst graben. Wenn ihr wisst, wo eine Beinwellpflanze steht oder ihr selbst eine im Garten habt, dann könnt ihr in den nächsten Tagen bereits mit dem Graben beginnen. Ich selbst konnte dieser Tage noch keinen Beinwell finden, da er jetzt noch sehr klein sein dürfte, sofern überhaupt schon ein paar grüne Blätter herausschauen. Da ich umgezogen bin ist mein Lieblingssammelplatz entlang der Elbe in Dresden leider zu weit weg. An der Elbe wuchs der Beinwell wirklich in rauen Mengen, da es dort genau so feucht ist, wie es der Beinwell gern hat. Zum Glück habe ich noch ein paar getrocknete Wurzelstücke, die natürlich auch ihren Dienst tun. Allerdings ist die Verwendung frischer Pflanzenteile immer von Vorteil.

Verwendung für die Zähne

Ich persönlich kaue ein Stück Wurzel von etwa 0,5×0,5 cm, wann immer ich Zahnprobleme habe. Dazu nehme ich das getrocknete Stück und behalte es eine Weile im Mund bis es so weich ist (sprich: ich speichle das Stück so lange ein), dass es sich kauen lässt. Man kann das Wurzelstück auch vorher in Wasser einweichen, dann lässt es sich gleich kauen, aber ich persönlich finde das zu umständlich.

Wenn mein Vorrat an getrockneten Wurzeln alle ist, dann grabe ich mir im Frühjahr oder Herbst eine Wurzel. Solange die frisch ist, kaue ich immer mal wieder bei Bedarf an einem Wurzelstück, wann immer ich daran denke. Die dabei anfallenden Blätter des Beinwells verwende ich wie oben angegeben oder trockne sie.

Wie viel Beinwell brauche ich?

Im Prinzip reicht es für eine Familie mit zwei oder drei Kindern, wenn man die großen Wurzeln einer einzigen Pflanze sammelt. Damit kommt man locker 1 – 2 Jahre hin. Es empfiehlt sich, die Wurzel zu schneiden solange sie noch frisch ist. Eine harte Wurzel kann man im Prinzip nur noch mit roher Gewalt zerkleinern – nicht zu empfehlen. In meiner Familie schneiden wir die frische Wurzel in kleine Stücke von etwa 0,5×0,5 cm, trocknen diese dann und füllen sie später getrocknet in ein dunkles Glas. Die Aufbewahrung ist aber auch in einer kleinen Papiertüte möglich.

Wenn etwas übrig ist, dann setzen wir mit 38-%-igen Alkohol noch eine kleine Flasche Beinwelltinktur an. Die hilft bei Muskel- oder Gelenkschmerzen. Aber Achtung: wirklich nicht viel ansetzen, man braucht nicht viel. Und aufgepasst: Die Tinktur wird ganz schwarz und färbt auf Kleidung ab. Also an dem Tag der Nutzung bitte was dunkles anziehen.

Noch ein Wort zu Warnhinweisen: in der letzten Zeit lese ich häufig, dass davon abgeraten wird, Beinwell innerlich anzuwenden, da er aufgrund der in ihm enthaltenen Pyrrolizidinalkaloide Leberschäden hervorrufen könne.

Alternative Anwendungsmöglichkeit bei Zahnbeschwerden

Wem die innerliche Anwendung von Beinwell aufgrund von Warnhinweisen bezüglich Leberschäden Besorgnis bereitet, dem empfehle ich bei Zahnbeschwerden und – schmerzen statt des Kauens auf einem frischen oder eingeweichten Wurzelstück, einen äußerlichen Breiumschlag auf der betreffenden Stelle anzubringen und diesen ggf. mehrmals täglich zu wechseln bzw. je nach Bedarf entweder zu erhitzen oder abzukühlen, je nachdem was bei den jeweiligen Beschwerden angenehmer ist. Für den Brei einfach ein paar Stück frische Beinwellwurzel mixen. Bei der Verwendung getrockneter Wurzelstücke müssen diese natürlich vorher eingeweicht werden.

Nehme ich bei Schmerzen Schmerztabletten und dann noch eine Betäubung beim Zahnarzt für die Behandlung in Kauf, dann habe ich jedoch ebenfalls mit Nebenwirkungen zu rechnen. Nur nimmt man diese Nebenwirkungen mittlerweile oft billigend in Kauf und verzichtet darauf, bei jeder Nutzung den Beipackzettel einmal genauer zu lesen. Über Paracetamol, ein häufig verwendetes Schmerzmittel heißt es z. B. im FOCUS Online vom 19.01.2012: „Paracetamol würde heute nicht mehr zugelassen werden, auch nicht auf Rezept“, sagt Kay Brune, Professor an der Universität Erlangen. „Bereits bei der zugelassenen Dosis von vier Gramm pro Tag können Patienten schwere Leberschäden davontragen. Nimmt jemand die doppelte Dosis ein, kann das zu einem Leberversagen führen.“ (Vgl.: http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/medikamente/risiko/tid-24809/toedliche-schmerzmittel-verbieten-aspirin-und-paracetamol-gefaehrden-leben_aid_703225.html). Ähnlich gefährlich sind laut gleichem Artikel auch Aspirin und verschiedene Kombipräparate, die man auch als Heißgetränk einnehmen kann.

Oft werden pflanzliche Präparate entweder wegen ihrer Nebenwirkungen verteufelt oder deren positive Wirkungen als reine Placeboeffekte abgetan.

Generell sollte allerdings klar sein: Kein Kraut und keine Wurzel ist zur Dauernutzung geeignet. Meistens und besonders dann, wenn die akuten Schmerzen vorbei sind, vergisst man die Einnahme des  jeweiligen natürlichen Arzneimittels ganz von selbst und das ist dann auch in Ordnung so. Wenn man nach einer Zeit einen Widerwillen gegen das jeweilige Kraut verspürt und es daher nicht mehr einnehmen möchte, dann läuft das auf das gleiche hinaus. Der Körper eines Menschen gibt auf jeden Fall die richtigen Signale, man muss lediglich genau hinhören.

In diesem Sinne, schaut euch beim Spazierengehen einfach mal um, ob ihr irgendwo eine Beinwellpflanze entdecken könnt. Merkt euch ggf. wo das war oder macht euch gleich mit Kraut und Wurzel vertraut. Es empfiehlt sich ohnehin, bei jedem Gang in die Natur ein gutes Taschenmesser und einen Stoffbeutel dabei zu haben.

Wie auch immer ihr das handhabt, ob ihr selber sammeln geht oder getrocknete Ware online bestellt, in jedem Fall ist ein Selbstversuch mit Beinwell einer invasiven Behandlung beim Zahnarzt vorzuziehen. Natürlich rede ich hier davon, seinen Körper gut zu beobachten und bei ersten Warnsignalen des Körpers zu handeln. Wenn ihr es vor Schmerzen nicht mehr aushaltet nach Beinwell zu suchen ist natürlich ein bisschen zu spät. 🙂

In diesem Sinne: ran an den Beinwell und raus in die Natur und viel Spaß mit diesem Vielzweckkraut! Sobald ich selbst nachweisbare Erfolge in Sachen Zahnheilung erzielen kann, dann erfahrt ihr dies hier in meinem Blog als Erste.

Alles Liebe,

eure Jedida

P.S.:  „Eingesetzt wird Beinwell bei sogenannten „stumpfen Traumen“ aufgrund seiner schmerzlindernden, entzündungshemmenden und abschwellenden Wirkung. Die Heilwirkung auf die Haut ist auf den Inhaltsstoff Allantoin zurückzuführen, der heute auch in der Kosmetik zahlreiche Anwendungsgebiete gefunden hat. Allantoin bewirkt die Beschleunigung des Zellaufbaus und der Zellbildung,[3] was in der alten Heilkunde vor allem bei der Behandlung von Unterschenkelgeschwüren genutzt wurde. Bei Nicholas Culpeper ist nachzulesen: der Beinwell hat eine solche Kraft zu heilen und zusammenzufügen, daß zerteilte Fleischstücke wieder zusammenwachsen, wenn man sie mit Beinwell in einem Topf kocht“. Nachzulesen bei http://de.wikipedia.org/wiki/Beinwell

P. P. S.: Abgesehen von allen seinen gesundheitlichen Vorzügen ist der Beinwell zudem eine höchst attraktive Pflanze, die uns, wie ihr das auf dem Foto erkennen könnt, von Mai bis September mit ihren schönen lilafarbenen Blütendolden erfreut.

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