Mit dem Zug nach Paris und zurück-ohne Sehhilfe

Auge

Seht ihr den lebendigen Rucksack auf meinem Rücken? Das ist mein kleiner Sohn. Da ruhen wir uns grad während einer Tagestour durch die Straßen von Paris auf einer Kirchentreppe aus. Unsere Tagestouren waren ausschließlich kilometerlange Fußmärsche ohne Kinderwagen, nur mit dem Ergo Baby Carrier. Von daher braucht es hin und wieder einen kurzen Boxenstopp. Das Laufen war teilweise mehr als anstrengend, aber dafür haben wir wirklich kaum eine schöne Ecke von Paris ausgelassen.

Die Brille auf meiner Nase ist keine Sehstärkenbrille, sondern dient lediglich als modisches Accesoire sowie als Sonnenschutz.

Ob ihr es glaubt oder nicht, mein Sohn und ich sind mit dem Zug von Essen nach Paris gefahren – und das ohne jegliche Sehhilfe meinerseits bei derzeit -2,75 bzw. -2,5 Dioptrien.

Wie haben wir das gemacht?

Zunächst einmal wähnte ich mich sehr clever, einen Direktzug, den französischen Thalys, von Essen nach Paris zu buchen. Da wären wir in nur 4 1/2 Stunden in Paris Nord sicher gelandet.

Aber bekanntlich kommt es immer anders als man denkt. Der Thalys nach Paris fiel nämlich an diesem Tag ersatzlos aus. Stattdessen wurde uns ein Umweg von Essen über Düsseldorf, weiter über Köln mit 3-stündigem dortigem Aufenthalt und schlussendlich nach Paris angeboten. Statt Direktzug also 2x umsteigen und 3 Stunden Aufenthalt in einer fremden Stadt. Ohne Sehhilfe gibt einem das schon zu denken.

Meine Schwester, die mich und meinen Sohn dankenswerterweise zum Zug gebracht hatte, war gar nicht lange verlegen und sprach eine Reisegruppe von älteren Leuten an, ob diese uns nicht unter ihre Fittiche nehmen würden. Gesagt, getan.

Die Reisegruppe, welche aus lauter sportbegeisterten Senioren bestand, die schon seit 26 Jahren gemeinsam reisen und sporteln, war ein wahrer Segen für uns.

In Köln konnte ich sogar unseren Koffer bei den Senioren hinterlassen und mit meinem Sohn zum Kölner Dom laufen. Dort haben wir dann gleich ein paar Kerzen für den Weltfrieden und andere Wünsche angezündet.

4 Stunden später als geplant kamen wir dann endlich sicher in Paris an und verabschiedeten uns von den freundlichen Senioren, die mit uns aufgrund des Sitzplatzmangels mit im Gang Platz genommen hatten. Die Senioren auf den Notsitzen, mein Sohn und ich auf dem Fußboden. Aber wir hatten eindeutig die jüngeren Knochen, von daher waren wir vollauf mit der Sitzplatzeinteilung einverstanden, auch wenn dies hieß, dass ständig jemand über uns drüber steigen oder wir wegen diverser Zwischenstopps mit Zu- und Ausstieg, aufstehen mussten.

In Paris Nord wurden wir von meiner Schwester Esther und ihrem Freund abgeholt. Mit der Metro kamen wir recht schnell in das kleine 14-m2-Appartement meiner Schwester, in welchem wir die nächsten Tage und Nächte zu viert verbracht haben. Wie zu Studentenzeiten halt. Aber ein Zimmer in Paris ist ohnehin schon Luxus und daher waren wir einfach nur froh über die schöne Zeit, die wir gemeinsam und in Paris zubringen durften.

Auf der Rückreise wurden wir wieder zum Zug gebracht und konnten dann 1. Klasse mit nur 1x Umsteigen und einem Aufenthalt von 1,5 Stunden in München, bequem reisen. In München habe ich einfach auf An- und Abfahrtsplände geschaut und mich dann entsprechend orientiert. Wir hatten ja 1,5 Stunden Zeit dazu. Und ich musste einfach ein bisschen näher an den Plan herangehen als der Durchschnittsbürger. Nach gesamt ca. 8 Stunden Reisezeit wurden wir dann sicher in Ingolstadt von meiner Schwester Silviana in Empfang genommen.

Wie also kann man ohne Kontaktlinsen reisen?

Man braucht auf jeden Fall mehr als ein bisschen Hilfe. Man sollte sich des Weiteren nicht scheuen, um diese auch zu bitten und man sollte auch keine Schamgefühle haben, wenn man an alles so nah herangehen muss, dass man mit dem Gesicht schon förmlich an den Aushängen der Deutschen Bahn oder der Pariser Metro klebt. Man sollte zusätzlich einen guten Orientierungssinn haben, vor allem Gebäude und Geschäfte betreffend, da man meistens nicht in der Lage ist, Straßenschilder zu entziffern, zumindest, wenn man kurzsichtig ist.

Wenn man sich dann einigermaßen sicher fühlt, dann kann man auch alleine in einer fremden Stadt losziehen.  So habe ich also mit meinem Sohn auch kleinere Ausflüge alleine unternommen. Allerdings war das eher selten, da wir natürlich viel lieber Zeit mit meiner Schwester Esther und ihrem Freund verbringen wollten.

Ihr seht, so vieles ist möglich, wenn man es nur will.

Ihr dürft also gespannt sein, wie es auf meinem Weg zu einem Leben ohne Brille weiter geht. 😉

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