Karmische Liebe

Kurzgeschichten über die Liebe und das Leben


Es war einmal, es war einmal, ein junges Mädchen namens Melanie. Sie verdiente ihr täglich Brot mit dem ältesten Gewerbe der Welt.

Eines Tages fand ein Mann namens Joseph so großen Gefallen an ihr, dass er entschied, dass sie nur noch ihn als Freier empfangen solle. Sie war damit sein Eigentum.

So verging einige Zeit, dann wurde Melanie von Joseph schwanger. Joseph entschied daraufhin, dass Melanie zu seinen Verwandten geschickt werden solle. Auf dem Hof von Josephs Verwandten war Melanie nur geduldet. Jede Minute des Tages musste sie ihr Dasein damit rechtfertigen, schwer zu arbeiten. Trotzdem war da immer die Hoffnung, dass Joseph eines Tages vorbei kommen könnte, um nach ihr zu sehen, daher versuchte Melanie, auch in der Schwangerschaft immer gut auszusehen. Sie hatte Angst, dass Joseph eine andere ihr vorziehen könnte, wenn sie es nicht vermochte, schön, schlank und jungendlich zu bleiben.

Am Anfang meldete Joseph sich noch regelmäßig. Ließ Melanie Grüße ausrichten und schickte seinen Verwandten Geld für sie. Als der Knabe geboren wurde ließ er wissen, dass der Junge auf den Namen Detlev getauft werden solle und so geschah es dann auch.

Kurz nach Detlevs Geburt musste Melanie wieder schwer arbeiten. Noch immer hatte sie Hoffnung, dass Joseph kommen würde, um sie und das Kind zu holen. Sie gab sich trotz aller Entbehrungen immer Mühe, schön für Joseph zu bleiben.

Der Familie von Joseph war sie auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Weder sie noch der Junge hatten etwas zu lachen. Melanie stand noch unter der niedrigsten Magd. Sie durfte niemals den Hof verlassen, denn sie war eine Schande. Josephs Verwandte jedoch rühmten sich ob ihrer Barmherzigkeit gegenüber der Hure und ihrem Balg.

Als Melanie erfuhr, dass Joseph schon vor einiger Zeit eine andere geehelicht hatte, verlor sie jeglichen Lebensmut. Weil sie ihr Dasein nicht länger ertragen konnte, erhängte sie sich in einer Scheune. Zurück blieb das Kind Detlev. Doch ohne den Schutz seiner Mutter wurde der kleine Junge noch schlechter behandelt und so verstarb er früh.

Joseph verstarb in seinen besten Jahren. Er war ein wohlhabender Mann geworden, doch tief in seinem Inneren wusste er um den Schmerz, den er Melanie und ihrem gemeinsamen Kind zugefügt hatte. Er ließ es jedoch nicht zu, darüber nachzudenken. Er war immer sehr beschäftigt.

Als alle drei nun tot waren, und es an der Zeit war, für ein neues Leben auf die Erde zurück zu kehren, wurde mit Gott und den Engeln gemeinsam beratschlagt, auf welche Art und Weise es möglich sein würde, den Schmerz in aller dreier Herz zu heilen. Jeder der drei hatte noch andere Lernaufgaben zu meistern, aber es wurde beschlossen, im nächsten Leben auf jeden Fall den gemeinsamen Schmerz zu heilen. So wurden von allen Beteiligten diesbezüglich Verträge abgeschlossen und unterschrieben.

Als erstes wurde Melanie auf die Erde zurück geschickt. Sie hatte vor ihrem erneuten Erdgang viele Verträge unterschrieben und sie hatte Gott versprochen, dass sie es dieses Mal auf jeden Fall schaffen würde, ihre unzähligen Probleme anzugehen. Sie hatte Gott versprochen, dass sie sich dieses Mal nicht wieder mit Selbstmord aus der Affäre ziehen würde. Sie würde niemals wieder ein Kind allein lassen. Zu tief war noch der Schmerz, den der kleine Detlev nach ihrem Tod erleiden musste, in ihr präsent. Tiefe Schuldgefühle hatten sie deswegen gequält und sie würde diesen Fehler niemals wiederholen.

Doch wie alle Menschen ging auch Melanie durch den Kanal des Vergessens. Nach ihrer Geburt wusste sie nichts mehr von ihren Versprechen und ihren Verträgen.

Sie war sehr unglücklich. Schon als Kind wollte sie lieber sterben als leben. Und so verlief auch ihr Leben für sie sehr ungünstig. Als sehr junge Frau wurde sie unerwartet schwanger. Sie verheimlichte die Schwangerschaft und immer wieder dachte sie daran, zu sterben. Wer sollte auch noch ihr Kind wollen, wenn nicht einmal für sie Platz auf dieser Erde war? Andererseits wusste etwas tief in ihr drin, dass es Sünde wäre, sich umzubringen und dabei auch noch das ungeborene Baby zu töten.

So bekam sie das Baby und lebte viele Jahre mit ihm alleine. Es gab immer wieder Männer in ihrem Leben, aber niemals erreichte einer der Männer ihr Herz. Sie erhielt 5 ernst gemeinte Heiratsanträge von 5 verschiedenen Männern, aber sie wusste, dass keiner „derjenige welcher“ für sie war. So blieb sie weiterhin allein mit ihrem Kind. Ein Mann kam und er blieb für Jahre immer wieder mal an ihrer Seite. Aber niemals lebten sie gemeinsam in einer Wohnung. Er war ihrem Kind auch nie ein Vater. Und auch der leibliche Vater des Kindes lebte weit entfernt und meldete sich fast nie.

Ihr Kind wurde größer und Melanie spürte, dass ihr Kind alt genug war, um bald eigene Wege zu gehen. Daraufhin verfiel sie in eine schwere Depression, weil sie dachte, nur für gar niemanden mehr nützlich zu sein. Sie mochte ihre Arbeit, aber sie war immer müde und krank und hatte wenig Lebensmut.

Mit Männern hatte sie kein Glück und so ließ sie es meistens lieber. Hin und wieder hatte sie Sex, aber das hatte nichts zu bedeuten. Als es ihr wieder einmal sehr schlecht ging und ihr alles egal war, ging sie aus. Sie lernte einen Mann kennen. Als dieser sie fragte, ob sie mit ihm kommen würde, begleitete sie ihn zu seinem Zuhause. Als sie wieder heim ging, war das Ganze für sie erledigt.

Aber wie es das Schicksal wollte, traf sie den jungen Mann noch weitere Male. Einmal erzählte er ihr von seinen Träumen. Seine Träume waren auch ihre Träume. Das fand sie an und für sich schon interessant, aber der junge Mann hatte nicht das geringste Interesse, mit ihr den Traum gemeinsam zu träumen.

Da es sich nun einmal so fügte traf sie auch andere Männer. Aber das änderte nichts daran, dass sie immer unglücklich war und sterben wollte.

Eines Tages schrieb ihr der junge Mann wieder. Sie hatte ihn fast vergessen, weil sie immer so mit sich selbst beschäftigt war. Da sie sich langweilte und gerade nichts besseres zu tun hatte, ging sie auf sein Angebot einer gemeinsamen Nacht ein.

Die gemeinsame Nacht war ziemlich ernüchternd, weder schön noch romantisch. Melanie dachte nur, Augen zu und durch. Warum sie sich das überhaupt angetan hatte, fragte sie sich nachher noch oft. Danach sah Melanie den jungen Mann nicht wieder.

Wie aus heiterem Himmel erfuhr Melanie kuze Zeit darauf, dass sie wieder ein Kind erwarten würde. Sie konnte dies nicht glauben, da sie einen Arzt aufgesucht hatte, um genau dies zu verhindern. Melanie bekam es mit der Angst zu tun. Sie hatte nie wieder ein Kind ohne Mann groß ziehen wollen. Und sie war schon völlig überfordert mit sich selber und damit, jeden Morgen die Kraft zu finden, einen weiteren Tag zu leben.

Aber Gott gab Melanie die Kraft, sich für das Kind zu entscheiden. Und er schickte ihr ihre Schwestern an ihre Seite, die sie in ihrem Mut und ihrer Entscheidung bestärkten.

Ein weiteres Problem stellte sich ein. Melanie hatte nicht nur mit einem Mann verkehrt. Es gab noch einen anderen Kandidaten, der als Vater des Kindes sogar noch viel wahrscheinlicher in Betracht kam. Melanie erzählte ihm von dem Baby und am Anfang freute er sich sehr. Nur kurze Zeit später lies er sie jedoch wissen, dass er viel zu deprimiert sei, um Vater zu sein und dass er lieber selbst sterben wolle. Daraufhin wusste Melanie, dass es an der Zeit wäre, zu akzeptieren, wieder auf sich alleine gestellt zu sein.

Zufällig traf sie den Mann wieder, mit dem sie viele Jahre geteilt hatte. Er freute sich sehr, Melanie wieder in seinem Leben zu haben, denn er war sehr einsam. Er hatte mit Melanie immer ein Baby haben wollen, aber Melanie wusste schon damals, dass er niemals der Vater eines ihrer Kinder sein würde. Alles hätte gut werden können, doch der Mann war eifersüchtig, denn Melanie trug nicht sein Kind, sondern das eines anderen unter ihrem Herzen. Und so musste Melanie um ihrer selbst und um des Kindes willen die Entscheidung treffen, die restliche Schwangerschaft alleine durchzustehen.

Als das Kind geboren wurde und Melanie zum ersten Mal in das kleine Gesicht schaute war sie sehr glücklich. Allerdings bekam sie es auch sofort mit der Angst zu tun. Sie sah in den Augen des Kindes auch den Vater des Kindes. Den jungen Mann, den sie seit der Zeugung ihres wundervollen kleinen Kindes weder gesehen noch gesprochen hatte. Sie war noch schwach von der Geburt und jede Minute des Tages wurde die Freude über ihr wundervolles Baby davon getrübt, dass sie um die Reaktion des leiblichen Vaters fürchtete, wenn er von dem Kind erfahren würde.

Es war sehr schwer, aber sie schaffte es, dem jungen Mann reinen Wein einzuschenken. Das geschah in einer Nacht. Der junge Mann war sehr ehrlich. Er sagte, dass er lange keine andere Frau gehabt hätte und dass er stets dachte, niemals Vater zu werden. Denn dazu müsste ja alles passen. Er machte Melanie keine Vorwürfe und er konnte sich auch nicht erklären, wie er es so weit hatte kommen lassen, dass Melanie überhaupt schwanger werden konnte.

Als auch für ihn fest stand, dass er der Vater des Kindes wäre, erkannte er es in der Öffentlichkeit an. Er erklärte sich bereit, mit für den Unterhalt des Kindes zu sorgen. Und er bemühte sich sehr, sein Kind hin und wieder zu sehen.

Das Schicksal wollte es, dass mit Melanie etwas Merkwürdiges passierte. Ihr Herz, dass Männern gegenüber immer recht kalt gewesen war, öffnete sich für den jungen Mann. Sie konnte es selbst nicht begreifen. Und so oft sie auch versuchte, nicht an den jungen Mann zu denken, so gelang ihr dies doch schwer. Hatte sie doch auch sein Kind jede Stunde des Tages an ihrer Seite.

Melanie liebte das Kind über alle Maßen. Sie wurde ein glücklicherer Mensch. Aber es war auch hart für sie, jeden Tag 24 Stunden Mutter zu sein, ohne jemals eine Pause zu haben. Und es war auch hart für sie, einen Mann zu lieben, der sein Herz Frauen gegenüber verhärtet hatte. Melanie betete zu Gott, dass er ihr helfen möchte, dies alles zu verstehen. Und immer wieder versuchte sie, den jungen Mann nicht mehr zu lieben, doch es gelang ihr nur hin und wieder. Wieder und wieder versuchte sie zu verstehen, warum er das gemeinsame Kind nicht genau so lieben könne wie sie es liebte, aber sie fand keine Antwort.

Als sie in einer Vollmondnacht mit ihren Engeln sprach, bekam sie endlich die ersehnte Antwort. Seine Schuldgefühle gegenüber dir und dem kleinen Detlev haben Joseph wieder in dein Leben gezogen. Und deine Schuldgefühle gegenüber Detlev, und dein Unverständnis gegenüber Joseph, dass er euer gemeinsames Kind nicht lieben konnte, haben diese Situation erneut erzeugt.

Die Engel erinnerten Melanie an ihren Vertrag mit Joseph. Und sie zeigten Melanie, dass es für dieses Leben vorgesehen war, dass Melanie und Joseph gemeinsam ein Kind groß ziehen und dadurch beide Heilung finden würden. Melanie begann sich zu erinnern und sie musste bitterlich weinen, denn sie sah sich auch selbst, in ihrem Leben als Melanie in der Scheune in einer Schlinge hängen. Die Engel sagten Melanie aber auch, dass Joseph auch in diesem Leben keine Liebe für sie empfände und dass er sich mit jeder Faser seines Seins dagegen wehren würde, Verantwortung zu übernehmen. Er ziehe es auch in diesem Leben vor, mit der Zahlung von Geld seiner Verantwortung zu entgehen.

Melanie ist traurig. Sie weiß nicht, was sie tun wird. Will sie Joseph überhaupt noch lieben? Hat sie diesbezüglich überhaupt einen freien Willen? Und wird sie jemals wieder eine leidenschaftliche Nacht erleben? Sie fragt sich dies, weil sie vor längerer Zeit beschlossen hat, nur noch mit dem Mann zu verkehren, den sie von ganzem Herzen liebt und der sie von ganzem Herzen liebt. Aber kann sie ihr Herz überhaupt jemals wieder für einen anderen öffnen? Oder besteht doch noch Hoffnung, dass auch Joseph sie lieben würde?

Und so wird Melanie weiter beten, weil sie weiß, dass Gott sie und Joseph und Detlev liebt und sie weiß, welche Lösung auch immer ER finden wird, sie wird für alle Beteiligten die richtige sein.

Jedida, Sommer 2013

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