Good bye Helfersyndrom! Teil 1: Von der Sucht, gebraucht zu werden

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Du hast das Gefühl, deinen Mitmenschen stets und ständig helfen zu müssen, wenn sie nicht weiterkommen? Du bietest deine Hilfe sogar ungefragt an, ja trägst sie Freunden und Bekannten regelrecht hinterher, weil du nicht anders kannst? Doch bei all dieser Hilfe kommst du selbst zu kurz oder fühlst dich sogar ausgebrannt? Falls du dich in diesen Sätzen wiedererkennst, dann könnte dieser Artikel für dich gerade richtig sein. Herzlich willkommen und schön, dass du hergefunden hast!

Meine Herausforderung des Jahres 2016 ist es jedenfalls und erklärtermaßen, anderen eben nicht mehr zu helfen! Ich lerne es, meine Ungeduld auszuhalten, wenn meine Mitmenschen mal nicht klar kommen und ich lerne es, sie einfach ihr Ding machen zu lassen. Geduldig bleibe ich und in liebevoller Hinwendung, bis sie um Hilfe bitten. Bis sie von selbst erkennen: ja, ich brauche Hilfe und ja, ich bin bereit, Hilfe anzunehmen. Was für ein großartiger Satz! In der Tat, um Hilfe zu bitten, ist wirklich ein Zeichen von Stärke und der Bereitschaft sich für Veränderung zu öffnen. Aus der Kraft meiner Mitte auf diese Bitte zu antworten ebenso. Und dabei eines zu erkennen, dass ich nämlich nicht die einzige bin, die Hilfe geben kann.

Meine augenscheinliche Passivität gibt den Menschen, die ich liebe, die große Chance in ihre Eigenverantwortung zu kommen und für sich selbst zu sorgen. Ein von mir sehr geschätzter Heilpraktiker sagte einmal zu mir: „Ich halte es für arrogant zu meinen, dass ich genau weiss, was andere brauchen könnten oder dass ich gar etwas besser kann als sie selbst.“ Das hatte mich damals in meinem andauernden Gefühl, ständig für andere dasein zu müssen total erschüttert. Wie jetzt – diese, meine altruistische Verhaltensweise ist womöglich sogar grundverkehrt?  Unter Umständen regelrecht schädlich und egoistisch noch dazu? Damals konnte ich das überhaupt nicht verstehen. Lange habe ich gebraucht und noch viel leiden müssen, bevor ich diese Lektion des Lebens einfach annehmen konnte. Nun magst du dich fragen: Was kann ich statt dessen tun, wenn der Drang anderen zu helfen oder die Sucht gebraucht zu werden, einfach übermächtig sind? Wenn ich durchaus meine, dass es meine Pflicht und Schuldigkeit ist, meine Hilfe anderen zu geben?

Von der Sucht gebraucht zu werden

„Liebling, ich kann ohne dich nicht leben. Ich brauche dich, du bist mein Ein-Und-Alles!“

Wow, was für ein Kompliment! Ich bin so wichtig, jemand braucht mich. Das ist mein Daseins-Zweck, meine Daseins-Berechtigung. Wie ein Ertrinkender klammere ich mich daran für andere wichtig zu sein, gebraucht zu werden. Kennst du das vielleicht? Stark bin ich für jedermann, ich leiste und arbeite – ich bin sogar so stark, dass ich meine eigene Bedürfnisse zurückstellen kann. Kommt dir das womöglich vertraut vor? Und forderte nicht sogar Jesus Christus uns auf, für andere da zu sein und ihnen zu dienen? 

Sich für andere aufzuopfern ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Lebens, unserer christlich geprägten Kultur geworden. „Wenn Du erst einmal Kinder hast, dann hast du kein eigenes Leben mehr!“ oder„Wenn Du erst einmal einen Job hast, musst du Tag und Nacht hart arbeiten, um ihn zu erhalten oder um bestenfalls sogar befördert zu werden.“ Ja, „im Schweisse deines Angesichts sollst du dein Brot verdienen“, bekam Adam schon zu hören, als er aus dem Paradiese vertrieben wurde.

Wir saugen es quasi schon mit der Muttermilch oder Baby-Ersatz-Nahrung in uns auf, dass Menschen immer nur für andere dazusein haben. Einer, der sich um seinen eigenen Kram kümmert, wird uns bestenfalls als Egoist dargestellt, als selbstzentriert – begleitet von einer abfälligen Handbewegung oder einem Gesichtsausdruck, der nichts Gutes an dieser Einstellung übrig lässt. Gebraucht zu werden, scheint somit eine der Haupt-Tugenden oder Notwendigkeiten unseres Lebens geworden zu sein. Nix läuft ohne mich im Job, meine Familie würde auf der Stelle verhungern oder in dreckigen Klamotten herum laufen, wenn ich nicht da bin. Es gibt so viel zu tun und das Erstaunliche ist, je schneller ich handle und je effizienter ich arbeite, desto mehr Arbeit scheint es dennoch zu werden.

Erste Widerwillensbekundungen des eigenen Körpers zeigen sich und werden gekonnt ignoriert. „Ein Indianer kennt keinen Schmerz!“ Und weiter geht’s mit dem Laufen im eigenen Hamsterrad. Das Gefühl,  ausgebrannt zu sein stellt sich ein. Hobbies, die einmal Freude bereitet haben, erscheinen mühselig und aufwändig und es fehlt einfach die Kraft und die Zeit, sich selbst etwas Gutes zu tun. Erstaunlicherweise aber kommt immer wieder genügend Energie oder Motivation auf, dennoch für andere da zu sein. Seltsam, nicht wahr? Die Verantwortung für unser eigenes Befinden wird an den Arzt abgegeben, der soll einen Bitteschön mal gesund machen, irgendeine Medizin dagegen muss es doch geben. Ich bin ja schon so sehr für andere verantwortlich, sorry, da reicht es eben nicht auch noch für mich selbst. Unsere lebenslange Konditionierung erlaubt es uns einfach nicht, gut und in erster Linie mal für uns selbst zu sorgen. Oder wir wissen womöglich gar nicht wie das geht. Und wenn wir tatsächlich einmal versuchen, uns selbst etwas Gutes gönnen, tun wir es am Ende nicht mit der richtigen Einstellung uns selbst gegenüber. Vielleicht stellen sich  auch Einsamkeit und Wertlosigkeit ein, wenn ich mit mir selbst alleine bin und mich nicht um andere kümmern kann. Kommen am Ende schon Entzugserscheinungen auf, wenn ich nicht im Helfer-Modus bin? Welche Gedanken überfallen mich, wenn ich einsam und alleine bin? Was, wenn ich einfach aufgeben würde?

Helfen und Abhängigkeiten

Wir haben es nicht gelernt, die Verantwortung für unser Fühlen zu übernehmen. Da ist jemand anderes, der mich zum Lachen bringt, jemand anderes, der meine Lust befriedigt. Jemand anderes, der mir Liebeskummer bereitet. Jemand anderes, der mich ablehnt oder fallen lässt. Meinen eigenen Wert bemesse ich daran, wer mich alles braucht und wie gut oder schlecht ich die Ansprüche anderer erfülle oder eben auch nicht. Dies führt zwangsläufig zu Abhängigkeiten und Verstrickungen. Jede Beziehung wird zu einem Deal mit unendlich viel Kleingedrucktem – was am Ende noch nicht einmal jemand liest. Wir sind für einander da und verlieren uns doch immer mehr im anderen. Anfänglich fühlt es sich vielleicht noch an wie das Verschmelzen auf höchsten Ebenen, aber beim genaueren Hinsehen erkennen wir tatsächlich ein Konstrukt aus Abhängigkeiten. Und am Ende ist das Netz der Verbindlichkeiten geradeso engmaschig geknüpft, dass wir keinen Ausweg mehr sehen, ohne dabei das gesamte System zum Absturz zu bringen.

Wie aber kommst du heraus aus diesem Teufelskreis? Beobachte dich selbst aufmerksam, höre dir zu und lausche deinen eigenen Gedanken und Überzeugungen. Verwendest du öfter Sätze wie:

Ich muss doch nur noch…

Heute bin ich viel zu müde für…

Aber der andere braucht mich doch…

Wenn ich doch nur mehr Zeit hätte…

Keiner schätzt meine Arbeit…

Warum sind die anderen nur so undankbar…

Ich fühle mich so leer…

Ich kann gar nichts mehr fühlen…

Ich will nur noch weg hier…

Keiner versteht mich…

Wann hab ich meine Schuldigkeit endlich getan…

Ich kann nicht mehr…

Das Leben hat keinen Sinn mehr…

Das kann ich eh nie schaffen…

Hat sich beim Lesen dieser Zeilen ein bitterer Zug um deinen Mund gelegt? Hast du die Stirn kraus gezogen oder einfach nur genickt? Erkennst du, dass die Zeit reif ist, dein Leben zu verändern? Nimm dein Leben in deine eigenen Hände! Streich diese Sätze oben aus deinem Wortschatz!!! Sie haben in deinem Leben von heute an nichts mehr verloren!

Ich bin dann mal weg. Wie fühlt sich das für dich an? Einfach mal raus zu sein aus der Nummer?

Alles Liebe,

Eure Silviana Tabita

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Hier findest du Teil 3

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