Good bye Helfersyndrom – Teil 2: Hintergründe und frühe Prägung

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Teil 2

Grundbedürfnisse und Verhaltensmuster

Rufe dir bitte folgendes in dein Bewusstsein: jeder Impuls, anderen zu helfen oder für sie dazu sein, entspringt verschiedenen Bedürfnissen oder Glaubensmustern in dir. Diese sind für dich kaum greifbar und tief in deinem Unterbewusstsein verankert:

1. Du sehnst dich selbst nach Hilfe! Wir sind konditioniert zu akzeptieren, dass andere die Verantwortung für unser Wohlergehen tragen: Lehrer, Ärzte, Eltern, Behörden, der Staat. Weil wir uns selbst nicht geben können, was wir brauchen, geben wir es anderen. Das innere Belohnungs-System wird angesprochen:

2. Wenn ich mich liebenswert verhalte, bekomme ich Liebe und Aufmerksamkeit. Dieses in der frühen Kindheit antrainierte Verhalten führt zu dieser Annahme: je härter ich mich aufopfere, umso mehr Hilfe, Liebe oder Unterstützung werde ich erhalten.

3. Wenn ich alle Regeln richtig befolge, bin ich in Sicherheit. Das entspricht unserer gesellschaftlichen Normierung: denn wer sich daneben benimmt, wird bestraft, verliert den Boden unter den Füßen, verarmt, rutscht an den Rand des Abgrunds und fällt durchs soziale Netz. Dies signalisiert: Lebensgefahr! Wir fühlen uns in Sicherheit, wenn wir uns angepasst verhalten.

4. Anderen zu helfen, ist leichter, als sich um die eigenen Angelegenheiten zu kümmern. Wenn etwas schief geht, müssen wir nicht die Verantwortung dafür tragen und verweisen auf unser Gegenüber: XY hat mir gesagt, ich soll das so machen. Super. Damit sind wir raus aus dem Ding mit der Verantwortung. Womöglich würden wir uns trotzdem schuldig fühlen, weil wir wissen, der andere hat eine Last getragen, die nicht die seine war. Was wiederum zu der Annahme führt, Wiedergutmachung leisten und Schuld abtragen zu müssen.

5. Ich bin es ihm schuldig. Aus Schuld und Verpflichtung heraus etwas für andere zu tun, stürzt uns in einen weiteren Teufelskreis, der sich dann fortwährend selbst am Leben erhält: der Mensch, der unsere Hilfe empfängt, spürt, dass etwas nicht stimmt. Er fühlt die Schuld als Motivation hinter der Hilfeleistung. Unser Unterbewusstsein kann nicht unterscheiden, ob das Sich-Schuldig-Fühlen vom Geber oder Empfänger erzeugt wird. Es nimmt einfach nur die Schuld im Raum wahr. Diese entsteht nun als Gefühl beim Empfangenden, obwohl der Geber meint, eine bestehende Schuld damit endgültig abzutragen. Es wird aber stattdessen mehr Schuld empfunden auf beiden Seiten. Dies führt im Endeffekt zu Wut und Verzweiflung. Keiner fühlt sich verstanden. Der Gebende fühlt sich ausgenutzt. Er versteht nicht, warum ihm keine Dankbarkeit entgegengebracht wird. Warum er nicht ebenso mit Aufmerksamkeiten und Dienstbarkeiten verwöhnt wird. Der Empfänger deiner Hilfe wird vielleicht sogar gehässig, weil er spürt, dass er mit der Annahme deiner Hilfe einen unausgesprochenen Deal eingeht. Nämlich den, deine Schuld aufzulösen und dich mit Aufmerksamkeiten zu beschenken. Deinen Selbstwert zu steigern. Möglicherweise fühlt er sich auch bevormundet, weil er viel lieber seine eigene Kraft und sein eigenes Erfolgserlebnis spüren möchte. Dies ist aber nicht möglich, wenn ein Helfer-Typ alles schneller und besser macht. Für den Moment mag es für den Empfangenden bequemer und leichter sein, aber auf Dauer höhlt es beide aus und ist gleichermaßen nutzlos wie unbefriedigend.

Gesetzt den Fall, in einer Beziehung sind beide Partner Helfer-Typen. Dann magst du denken: wunderbar, das gleicht sich ja dann irgendwann einmal aus! Warum aber fehlt dann trotzdem die tiefe Zufriedenheit, warum fühlst du dich auch in einer solchen Partnerschaft ausgebrannt und leer? Wenn ein Blinder einen Blinden führt, werden sie beide in die Grube fallen, sagt schon die Bibel. In Bewusstheit, Liebe und in der eigenen Kraft für andere Menschen zu wirken, ist in der Tat etwas anderes. Und das ist der feine Unterschied. Frage dich also:  Handle ich aus alten Mustern, Bedürfnissen und Abhängigkeiten heraus oder bin ich in meiner eigenen Kraft, meiner Mitte zentriert und agiere einzig und allein aus der Liebe in meinem Inneren?

Sich im Job unentbehrlich fühlen

Sich im Job aufzuopfern unterliegt augenscheinlich einem anderen Mechanismus. Das ist keine Beziehung auf Augenhöhe, da ist einer der Sklave, der Angestellte und der andere der Chef, der finanzielle Gönner. Ein Arbeitnehmer ist stets und ständig auf die Gunst seines Arbeitgebers angewiesen, um seinen Job auch zu behalten und damit seinen Lebensstandard sichern zu können. So hat es sich in der Gesellschaft heute entwickelt und die Angst, seine Lebensgrundlage zu verlieren, hat die meisten Menschen fest im Griff.

Rufe dir auch hier ins Bewusstsein, dass Arbeitsverhältnisse auf einem Vertrag beruhen, der Rechte und Pflichten auf beiden Seiten zum Inhalt hat. Deine Seele zu verkaufen, ist definitiv nicht Bestandteil des Vertrages. Auch nicht deine Gesundheit zu opfern oder gar deine Lebensfreude.

Vom blossen Geld-Verdienen, um sein Überleben zu sichern, bis dahin seine Berufung zu leben, ist es ein weiter Weg. Seine Berufung und seine Mission zu leben, sind ein wichtiger Bestandteil der Lebensaufgabe. Mit Sicherheit fühlst du auch diesen inneren Druck, diese Leere in dir, weil du deine Berufung nicht leben kannst? Möglicherweise kannst du diese aber auch gar nicht mehr fühlen unter all den Verantwortlichkeiten, die auf deinen Schultern lasten? Hilfst du anderen Menschen, brauchst du das Gebraucht-Werden, um gar diese innere Leere zu füllen? Warum bist du wie getrieben – süchtig danach, die fleissige Tochter, der erfolgreiche Sohn zu sein? Opferst du dich auf für den Sekundärgewinn von Sicherheit, Anerkennung, dich wertvoll und gebraucht zu fühlen?

Rufe dir nochmals die Macht des Unbewussten, die Wirkung von Kindesbeinen an übernommener Glaubenssätze ins Bewusstsein! Bevor du deinen Traum-Beruf ausüben kannst oder sogar davon leben kannst, ist es notwendig eine stabile Basis dafür zu errichten. Räume auf, entrümple dein Leben von alten Vorstellungen und Angewohnheiten! Finde zuerst zu deiner Kraft, finde zu dir selbst bevor du die Welt mit deinen Gaben beglücken und beschenken kannst.

Für unsere Familie dasein – vom Umgang mit unsere Kindern und Eltern

Sich für Kinder aufzuopfern, für sie alles zu tun un ihnen das Leben zu ermöglichen, welches man selbst nicht hatte. Die Kinder sollen es doch schließlich besser haben als wir selbst. Getrieben von diesen Annahmen geben wir unser Bestes. Wir sind ausgelaugt und erschöpft, während viele Kinder ihren Eltern nur zu oft auf den Köpfen herumtanzen und ihre schier unendlichen Kraftreserven in destruktiver Weise verwenden. Ratgeber um Ratgeber wird verschlungen, nur um festzustellen, dass es zu anstrengend ist, die Tipps in die Tat umzusetzen. Vielleicht hast du auch einfach keine Kraft mehr oder schon völlig resigniert? Vielleicht bist du wütend auf die Kinder von heute und deren Unfähigkeit, etwas zu schätzen, was du für sie tust? Ihre Rücksichtslosigkeit oder Maßlosigkeit treibt dich womöglich an den Rand der Verzweiflung. Aus Liebe h sovielast du so viel gegeben, so viel richtig gemacht und dennoch scheint sich alles ins Gegenteil zu verkehren. Du hast alles gegeben und doch scheint es einfach nicht genug zu sein.

Bist du bereit, diesen Kampf endlich aufzugeben? Kannst du erkennen, dass sich für jemanden anderen völlig zu verausgaben wirklich sinnlos ist? Rufe dir dazu folgendes in dein Bewusstsein:

Die Zeiten haben sich geändert! Wirklich. Ein Unterschied besteht in der Wahrnehmung unserer Gesellschaft. Unsere Zeiten und die unserer Eltern waren geprägt von Mangel und der Erfahrung hart arbeiten müssen, um das Überleben sichern. Für die eigene finanzielle Sicherheit und die der Schutzbefohlenen zu arbeiten, schien das Wichtigste überhaupt. Auch wenn unsere Generation keine Kriege persönlich miterleben musste, hat die Ansicht unserer Eltern uns maßgeblich geprägt. Dieses permanente Gefühl, dass unsere Sicherheit bedroht ist, hat zu der Annahme geführt, dass nur harte Arbeit uns diese Sicherheit bieten kann.

Wie aber erleben unsere Kinder das Leben heute? Sicherheit und finanzielle Mittel sind vorhanden! Es gibt in der Regel nichts, was ein Kind dafür tun muss. Der Mangel stellt sich jedoch auf emotionaler Ebene ein. Also wird konsumiert. Dinge, Unterhaltung, Essen, Aufmerksamkeiten. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Das gilt für Erwachsene und Kinder gleichermaßen.

Die Erlaubnis zum Glücklichsein

Wir Menschen sind sehr mitfühlende Wesen und spüren sehr genau, wie es anderen geht. Ob sie traurig oder wütend sind, glücklich oder ob sie ganz bei sich in ihrer Präsenz sind. Aufgrund von Übertragungen und unbewussten Entscheidungen im Leben als Kind, gelangen viele Menschen zu der Annahme, dass es falsch oder gefährlich ist, glücklicher oder erfolgreicher zu sein als die eigenen Eltern. Oh, und wenn sie es doch sind, besteht ein lebenslanger innerer Anspruch, es an den Eltern gut zu machen, dass man womöglich erfolgreicher oder glücklicher ist als sie. Manche opfern den eigenen Eltern über das eigene verträgliche Maß hinaus Zeit und Geld. Oder aber sie lehnen dies schließlich komplett ab und das Ganze verkehrt sich ins Gegenteil, sie gehen den Eltern aus dem Weg und verdrängen die unbewussten Aspekte, es in Wirklichkeit nicht besser haben zu dürfen als die Eltern.

Frage dich also selbst: Erlaube ich mir, glücklicher als meine Mutter zu sein? Darf ich erfolgreicher sein als mein Vater? Wie fühle ich mich dabei, wenn ich tatsächlicher glücklicher und erfolgreicher als meine Eltern bin? Möchte ich das, kann und darf ich das? Zu welcher Annahme und Bereitschaft, für meine Eltern zu sorgen, führt das im Umkehrschluss? Habe ich das Gefühl, ihnen immerzu etwas schuldig zu sein, weil es ihnen früher nicht gut ging und sie sich womöglich für mich aufgeopfert haben? Sicherlich siehst du die Zusammenhänge des Dilemmas.

Erinnere dich immer wieder: deine Kinder erleben auch diesen Anspruch, nicht glücklicher sein zu dürfen als die Mutter und nicht erfolgreicher als der Vater. Sie können dies in deinem ganzen System ablesen und beziehen es im Endeffekt auf sich – und das schränkt sie in ihrer Entwicklung ein. Sie spüren deinen Mangel: An Zeit, an Geld, an Ruhe, an Freude. Kinder wissen nicht, dass sie in ihrer unglaublichen Empatie, die sie für ihre Eltern empfinden auch deren Gefühle wahrnehmen und vielfach übernehmen. Sie reflektieren nicht was sie besitzen oder bekommen. Was sie fühlen, ist der Mangel. Es geht nicht ums haben, sondern ums fühlen. Wenn du wirklich verstanden hast, wie sehr Kinder von uns emotional abhängig sind und geprägt werden, dann kannst du handeln!

Kinder spüren unser Anspruchsdenken. An uns selbst. Wie sollten wir aber den Kindern gegenüber weniger Ansprüche geltend machen können? Sie bemessen den Wert der wahrgenommenen Forderungen an sie gemäß unseres eigenen Beispiels, daran, wie hart und gnadenlos wir selbst mit uns umgehen. Vielleicht wären unsere Kinder geneigter, etwas zu tun, wenn sie sich nicht permanent mit der – oft unausgesprochenen – Erwartungshaltung konfrontiert fühlten. Noch dazu mit der Aussicht etwas tun zu müssen, was offensichtlich Mama oder Papa total panisch, krank oder unglücklich werden lässt. Sollten wir Kinder also durch mehr Druck motivieren? Können wir das aus voller Überzeugung tun, wo es doch offensichtlich bei uns selbst in einen Teufelskreis der Abhängigkeiten geführt hat?

Freunden helfen

„Du bist so was von egoistisch!“ oder „Immer denkst du nur an dich!“

Hast du diese Sätze schon gehört? Bist du erschrocken, ob der Annahme, dass du damit ja nicht mehr liebenswert seist? Wenn du tief in dich hinein fühlst, spürst du vielleicht, dass du dich im Moment selbst so hilflos, so schwach und bedürftig fühlst? Dass du dich selbst verzweifelt fragst, wie es weitergehen soll? Da gönnst du dir einmal etwas und das wird dir dann streitig und madig gemacht? Hast du dich darüber gewundert und gedacht, dass du dich dann eben mehr anstrengen musst? Ein Teufelskreis. Denn wer mehr gibt, als er sich selbst auffüllen kann, der laugt aus, wird leer. Mangel zehrt an einem. An dir und deinem Umfeld, denn es trägt gefühlsmäßig diesen Mangel mit, fühlt die Schuld und das Ungleichgewicht. Wird unterschwellig wütend und traurig. Dein Umfeld will sich nicht so fühlen, also schleudert es dir Frustration und Überforderung zurück. Ein weiterer Teufelskreis. Was also ist die Lösung, die allen Beteiligen weiter hilft?

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Alles Liebe,

Eure Silviana Tabita

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