Eine haarige Sache

Sonnenlicht fängt sich in seinen goldenen Haaren. Ein kleiner Engel mit großen blauen Augen wirft mir einen schelmischen Blick zu. Ein paar Wellen kringeln sich um seine Ohren. Wenn nur diese abstehenden verfitzten Haare am Hinterkopf nicht wären! Jede Kämmaktion meinerseits wird mit lauten Protesten und wildem Geschrei zu einem Machtkampf, den ich immer verliere. Schnell und mit gekonntem Griff wurschtelt er sich seine Haare am Hinterkopf wieder in Form: abstehende Antennen. Ja, genau so sehen sie aus…

Meinen Neffen auf dem Arm haltend stehe ich am Straßenrand und warte auf das Ende der Schlagzeugstunde meines Sohnes. Mein Blick fängt sich in den goldenen Hinterhauptantennen und auf einmal höre ich eine Stimme sagen: „Ich brauche diese Haare, sie sind meine Antennen, die ich wirklich dringend brauche, um wahrzunehmen was hinter mir passiert, da – wo ich nichts sehen kann. Ganz recht, mein drittes Auge hat Antennen, bitte kämm sie mir nicht mehr weg, ich fühle mich dann so schutzlos.“  Völlig geplättet blicke ich meinen Neffen an. Ganz ruhig ist er auf meinem Arm und sieht mir tief in die Augen…

Mein Blick gleitet ins Leere, ich erinnere mich an einen Artikel, den ich kürzlich im Netz gelesen habe. Er handelte von Kundschaftern, die aus einem indianischen Volk rekrutiert worden waren und lange Haare trugen. Wurden diese Soldaten nachts im Wald überfallen, konnten sie den Feind sofort überwältigen. Unschlagbar waren aber vor allem ihre Fähigkeiten, sich im dunklen und unbekannten Gelände zu bewegen als wäre es taghell. Um allerdings der Norm der Armee gerecht zu werden, wurden dieser Spezialeinheit wie allen Soldaten die Haare geschnitten. Sofort verloren diese Männer ihre intuitiven und übersinnlichen Fähigkeiten und waren genauso wehrlos wie andere Soldaten… Es dauerte eine Weile, bis herausgefunden wurde, dass dies mit dem Schneiden der Haare zusammenhing… Meine Gedanken wanderten weiter zu Samson, den das Bibelbuch Richter beschreibt und dessen unglaubliche körperliche Stärke mit der Länge seiner Haare zusammenhing. Nachdem sein Haar geschoren wurde, war auch er wehrlos.

 Vor kurzem bin ich einem Mann begegnet, der eine unglaubliche Intuition hat und die Fähigkeit, meine Wünsche mental zu empfangen und entsprechend schnell auch zu erfüllen, nämlich bevor ich sie ausgesprochen habe. Ich habe mich darüber gewundert, natürlich total gefreut…

Und jetzt dämmert es mir… Er hat viele, lange, wilde und dichte Haare… Tausende von Antennen und alle auf Empfang… oh, ich werde ihn nun noch mehr ermutigen seine Haare wachsen zu lassen, die seine Anbindung sind, an seine Umwelt und direkt an den Kosmos. Für mich ist das natürlich extra praktisch und wunderschön, so miteinander verbunden zu sein. Und das meine ich nicht nur in Sachen Wunscherfüllung – heißer Tee, Wärmflasche&Co. 😉

Und nun melden sich auch die weißen Haare auf meinem Kopf, die wirr abstehen und so widerspenstig scheinen, dass ich sie am liebsten alle einzeln ausgerupft hätte. Und ich mache meinen Frieden mit ihnen – mit meinen weißen und weisen Drähten zum Kosmos und zu meiner Intuition. Und ja, ich werde nun öfter mit offenen Haaren massieren. Sie sollen nicht praktisch in einem Knoten am Kopf verschwinden, sondern mich mit dem Menschen verbinden.

 Danke mein kleiner Antennen-Engel für deine Lektion ins Sachen Haare.

Alles Liebe

Eure Silviana

 

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