Die Rechtfertigung

„Wo warst du? Warum kommst du so spät?“

„Äh, ich war noch…“ und schon sind wir mittendrin in der Rechtfertigung. Wenn der Versuch scheitert, unsere Wahrheit zu sprechen, liefern wir stattdessen Erklärungen, Ausreden, Halbwahrheiten oder Lügen, da wir fürchten, etwas verbergen zu müssen.

„Ich musste noch…; ich wollte doch nur…“. So oder ähnlich beginnen unsere Rechtfertigungen. Zu meinen, eine Rechtfertigung nötig zu haben impliziert immer, sich angegriffen zu fühlen und führt demnach zu einer Verteidigungshaltung.

Betrachten wir uns die Frage nach dem Zuspätkommen einmal aus der Vogelperspektive. Beabsichtigt der Frager tatsächlich, uns anzugreifen, anzuklagen, bloßzustellen?

Schauen wir uns dazu das Wort Rechtfertigung einmal genauer an. Sagt es nicht glasklar aus, ich muss mir erst ein Recht (an)fertigen? Klingt eher nach einer Produktionsstätte für Ausreden und halbgewalkte Erklärungen und tief in unserem Inneren wissen wir sehr genau, dass nichts von unseren Rechtfertigungen wirklich eine Antwort auf die von unserem Gegenüber gestellte Frage ist.

Wer schon einmal nach einer einfachen Frage mit ellenlangen Rechtfertigungen regelrecht abgefertigt worden ist, der kennt die wahren Beweggründe des Fragenden. Jener möchte ernst genommen werden hinsichtlich seiner Frage. Er möchte als gleichberechtigter Gesprächspartner wahrgenommen werden, möchte, dass seine Befindlichkeiten dem anderen ins Bewusstsein dringen.

Wäre es nicht viel passender, wenn auf die obige Frage bezüglich Zuspätkommens anstatt einer Rechtfertigung folgende Antwort käme: „Ich freue mich,  endlich daheim zu sein. Es tut so gut zu wissen, dass jemand Liebes auf einen wartet. Ich danke dir dafür“. Würde sich das nicht einfach nur gut anfühlen? Wen nähme es Wunder, wenn sich nach so einer Antwort auf einmal zwei Menschen herzhaft lachend in den Armen liegen statt wie bei einer Rechtfertigung Türen knallend auseinander zu gehen?

Gibt es wichtige Dinge zu sagen – und das gibt es in der Regel immer – dann sind auf diese Art und Weise beide Gesprächspartner offen und entspannt.

Wisse immer: Die Wahrheit, deine Wahrheit, wird dich frei machen. Alles was passiert liegt in deiner eigenen Verantwortung. Niemals liegt die „Schuld“ bei anderen oder den Umständen. Du bist kein Opfer, du selbst bist der Schöpfer. Deine Erfahrungen wurden von dir selbst ausgesucht und dann erschaffen.

Wenn du also das nächste Mal eine Rechtfertigung hörst oder dich dabei ertappst, selbst eine solche zu „fertigen“, dann halte einen Moment inne. Beruhige das verletzte Ego. Hülle es in Liebe und Verständnis und dann frage dich: Was würde die Liebe tun? Welche Worte würde sie finden?

Du weißt es. Ganz tief in dir drin.

Licht und Liebe,

Eure Silviana

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