Die Abrafaxe als Teil meiner Kindheit

 

Warum ich die Abrafaxe als Kind sooo geliebt habe…

 

Liebe Freunde,

heute gibt es mal keinen Beitrag über Engelarbeit, keinen über Tantra und schon gleich gar keinen über Yoga. 😉

Heute schreibe ich mal über was so „Profanes“ wie meine Kindheitsvorliebe für die Abrafaxe. Welcher gelernte DDR-Bürger kannte sie nicht, diese A5-formatigen, 60 Pfennige „teuren“ Heftchen namens Mosaik, die einen monatlich auf eine Reise in ferne Welten nahmen, einen wie magisch in ihren Bann zogen und so wunderbar den Alltag in einer oft grauen Alltagswelt erhellten. 

Leider gehörte ich nicht zu den Glücklichen, die ein Abo für das Mosaik hatten. Und nein, ich gehörte auch nicht zu denen, die sich 1x im Monat in eine lange Schlange am Kiosk einreihten, um zu denen zu gehören, die die aktuelle Ausgabe aufgrund ihrer Schnelligkeit und der Fähigkeit zur rechten Zeit am rechten Platz zu sein, erstehen konnten. Ich gehörte zu denen, die Geduld beweisen mussten und viel, viel Fleiß.

Wer sich noch erinnern kann, der weiß, dass zu DDR-Zeiten, die ich zumindest als Kind noch mitgemacht habe, Zeitungen gesammelt und gegen ein geringes Entgelt beim SERO (Sekundärrohstoffe Annahmestelle) abgegeben werden konnten. Also habe ich das Angenehme mit dem Nützlichen verbunden und mit meiner Schwester mehr oder weniger regelmäßig Altpapier gesammelt. Dazu gehörte, dass man im gesamten Wohnviertel an allen Türen klingelte und fragte, ob Altpapier oder Gläser (ja, dafür gab es auch ein paar Pfennige) abzugeben seien. Vielen Leuten war es recht, dass sie sich nicht selbst um diese Dinge kümmern mussten und vielleicht war ihnen das auch zu mühselig, für die paar Pfennige so einen Aufwand zu betreiben und die entsprechenden Altstoffe zur Abgabestelle zu bringen. Immerhin hatte damals durchaus nicht jede Familie ein Auto. Dann schon eher einen Fahrradanhänger oder den Transportkarren „Rolli“.

Es ist mir nicht leicht gefallen, bei den Leuten so mehr oder weniger bittstellerisch nach Altglas und Altpapier zu fragen. Schon das Klingeln und Warten nach dem Klingeln war mir oft mehr als unangenehm. Wenn ich dann aber ein frisch erstandenes Altpapier-Zeitungsbündel in der Hand hielt und vorsichtig die Zeitungen auseinander nahm, um zu schauen, ob vielleicht das eine oder andere Mosaik im Stapel verborgen wäre, dann wusste ich, der Aufwand war es wert, auch wenn ich nur selten das Glück hatte, ein oder sogar gleich zwei Hefte zu finden. Gerne wurden diese Hefte nach dem Lesen im Bekannten- und Verwandtenkreis weitergegeben, sodass sich doch immer der eine oder andere Sammler fand. Die Chance also, ein Mosaik zu finden, war mehr als gering und doch nahm ich diesen Aufwand des Altpapiersammelns in Kauf – immer in der Hoffnung darauf, wieder mal Glück zu haben.

Das ist auch einer der Faktoren, welcher mir die Hefte so kostbar erscheinen ließ: all die Mühe, die ich in die Suche nach ihnen investiert hatte und all das Hoffen und Warten auf ein bisschen Glück beim Altpapiersammeln. Und wenn ich dann einmal ein Mosaik gefunden hatte, dann habe ich dieses gleich mehrfach gelesen, es sorgsam behandelt und noch sorgfältiger vor meinen jüngeren und liebend gern Papier zerreißenden Geschwistern versteckt. Wann immer ich ein wenig Flucht vor dem Alltag brauchte und nicht gerade ein Buch vor der Nase hatte, da griff ich mir meine Mosaik-Heftchen und ließ mich von den Abrafaxen fort tragen in fremde Welten, ferne Zeiten und eine Welt voller Magie.

Ja, Magie ist wahrscheinlich nicht das Erste, was den meisten bei den Abrafaxen einfällt. Ich jedoch verbinde mit ihnen aufregende Zeitsprünge, geheimnisvolle Flaschen mit einem noch geheimnisvolleren Siegel, unberechenbare Dimensionstore, beeindruckende Charaktere und oft eine wirklich magisch anmutende Welt voller kleiner Wunder.

Ich denke da z. B. an das Heft, in welchem Don Ferrando, als er endlich in den Besitz der magischen Flasche gelangt war, mitsamt eines Berges verschüttet wird und dabei unwissentlich und unbeabsichtigt in ein Zeittor gelangt, welches ihn wieder mit den Abrafaxen zusammen führen wird. Oder das Heft, in welchem die Abrafaxe Alexander (den Kleinen) kennen lernen und ein Sturzregen dessen ganze Goldmünzen durch die verlassene Stadt spült. Ich denke an die Bettelmönche Sudrak und Duschman und die ganze hoch spannende Geschichte mit den gestohlenen Diamantenaugen, von welchen ein Diamant sogar mal in einem Brot versteckt worden war. Ich denke an die schöne Amazone Roxane und den umtriebigen Maharadscha Alim von Rattabumpur. Ich denke an die ägyptischen Pyramiden, in welche die Abrafaxe durch einen kleinen Unfall gerieten. An das Schiff des Nearchos in einem ausgetrocknetem Salzsse. Das Treffen der Abrafaxe mit dem Hodscha Nasreddin, dem Hans Wurst und und und.

Es gibt so viele phantastische Mosaiks, die dadurch bestechen, dass sie eben nicht nur auf reiner Fiktion beruhten, sondern sich im Gegenteil durchaus an realen Orten und tatsächlichen Geschehnissen orientierten.

Viele Sachen, mit denen ich mich heute beschäftige, fanden sich schon in alten Abrafaxe-Heften.

  1. Zum Beispiel besucht Alexander Papatentos in Heft 11/84 den Tempel der Durga. Die hinduistische Göttin Durga ist mir z. B. erst vor wenigen Monaten im Mantra „Jay Ambe“ wieder begegnet. Durga (Devi oder Shakti) ist im Tantrismus die Kosmische Energie, die alles geschaffen hat, erhält und zerstört. Wer hätte gedacht, dass ich das erste Mal in einem Heft für Kinder von Durga gelesen habe und das zu DDR-Zeiten! 🙂

  2. In Heft 4/86 „Das Geheimnis des Brahmanen“ geht es um „eine Glaskugel, die „die flüchtigen Bestandteile des Soma in konzentrierter Form“ enthält, vom Brahmanen „in wochenlanger geistiger Konzentration mit der Kraft der Weisheit und des Guten aufgeladen“„. (Vgl.: http://www.mosapedia.de/wiki/index.php/Das_Geheimnis_des_Brahmanen). Eine ähnliche Art, eine Energiekugel mit einer starken positiven Intension zu erzeugen habe ich im Erzengelheilkurs erlernt.

Es gibt noch mehr Beispiele, aber die fallen mir nicht ad hoc ein. Wenn ich Lust und Zeit habe, dann ergänze ich den Beitrag einfach bei Gelegenheit.

Was finde ich heute noch toll an den Mosaik-Heften?

Sie sind wirklich gut gezeichnet und inhaltlich absolut zeitlos, da die Abrafaxe ja ohnehin zu  anderen Zeiten und in anderen Kulturen als der unserigen unterwegs sind. Auch wenn ich die Hefte noch toll finde, so hab ich doch lange nicht mehr in ihnen geblättert. Ich glaube, das letzte Mal in der Schwangerschaft mit meinem kleinen Sohn 2011/2012.

Wann habe ich das letzte Heft gekauft?

Ich glaube das war im Jahr 2006. Die Mosaiks konnten mich zu diesem Zeitpunkt einfach nicht mehr begeistern, auch wenn ich sie doch noch eine Weile aus Gewohnheit gekauft habe. Auch standen in meinem Leben einfach gänzlich andere und spannendere Dinge an.

Welche Hefte haben mir am besten gefallen?

Eigentlich fast die ganzen Achtziger Jahre bis kurz vor der Wende. Zumindest kann ich mich einfach am besten an diese Hefte erinnern.

Was mache ich mit meiner ganzen Sammlung an Mosaik-Heften?

Ich weiß es noch nicht. Aber ich schreibe diesen Artikel u. a., um mir darüber klar zu werden. Ich habe das Gefühl, es ist an der Zeit Abschied zu nehmen, aber wie das sein wird, das weiß ich noch nicht. Vielleicht muss ich einfach noch einmal in die ganzen Erinnerungen eintauchen… Wer weiß das schon.

So, liebe Freunde, das war heute mal ein Beitrag der etwas anderen Art… zumindest für diese Seite hier… Ich hoffe auf den geneigten Leser, der mit der Thematik auch etwas anfangen kann. Hier in Bayern kennt ja fast keiner die Mosaiks, allenfalls die „Zugereisten“, zu denen ich ja auch gehöre. Geneigter Leser, ich hoffe also, du hattest Spaß mit diesem Beitrag und ich konnte einige positive Kindheitserinnerungen bei dir wecken.

In diesem Sinne alles Liebe für euch,

eure Jedida

Du magst vielleicht auch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *